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Das perfekte Geschenk

Seit Wochen überlege ich mit welchen Geschenken ich Evan zu Weihnachten eine Freude machen kann. Mich stresst das Thema Geschenke sehr, da es für Evan nicht einfach ist, etwas Passendes zu finden. Natürlich könnte ich ihm eine Gitarre schenken. Ich glaube das wäre dann gefühlt sein fünfzigstes Exemplar. Dieses Jahr fühle ich mich durch den Weihnachtskonsum sehr gestresst. Es gelingt mir aber auch nicht, diesen zu umgehen. Irgendwie hält er mich fest umschlungen. Ich möchte meinen Kindern doch eine große Freude bereiten. Aber womit bloß?!

Und auf einmal macht es Klick. Ich sitze inmitten von gestressten Menschen in einem überfüllten Einkaufszentrum. Eigentlich wollte ich nur kurz etwas abholen und dann wieder weg. Diesen Plan habe ich aber ohne Evan und ohne die Rolltreppen gemacht. Ich entschloss mich, mir einen Platz zu suchen, Evan immer gut im Blick und auf meinen Michel zu warten. Klick. Ich beobachte Evan wie glücklich er die Rolltreppe mit seiner Gitarre benutzt. Die Menschen schienen Evan gar nicht wahrzunehmen. Sie waren so sehr mit ihren Einkäufen beschäftigt. Klick. Da sitzt mein wundervoller Junge auf dieser Rolltreppe und ist einfach glücklich. Die Geschäfte mit den Geschenken und Spielsachen ringsum interessieren ihn gar nicht. Er sitzt auf der Rolltreppe zusammen mit seiner Gitarre und ist einfach glücklich. Ohne Geschenke. Ohne den ganzen Trubel. Klick. Evan braucht diese Geschenke und den Konsum gar nicht. Es scheint ihn, gar nicht zu interessieren. Er freut sich über die Rolltreppe und dass ich da bin. Immer wieder kommt er zu mir und zeigt mir in Gebärden: Nochmal? Ich bestätige ihm: Ja, okay. Nochmal. Er drückt mich und fährt eine weitere Runde auf der Rolltreppe. Ich glaube das ging eine gute Stunde so weiter, bis wir beide, Hand in Hand, das Einkaufszentrum, ohne Geschenke, verlassen haben.

Ich weiß, dass es Weihnachten nicht nur um Geschenke geht aber trotzdem hielt mich der Gedanke, nach dem perfekten Geschenk fest im Griff. Und wieder zeigt mir mein kleiner wundervoller Evan worauf es eigentlich ankommt: sich über Kleinigkeiten zu erfreuen. Den Moment und die Zeit mit seinen liebsten Menschen zu genießen. Den Rummel einfach mal, links liegen zu lassen und sich über das zu freuen, was gerade da ist. In Evans Falle, eine einfache Rolltreppe. Ein bisschen ist mein Druck, das perfekte Geschenk zu finden, von mir abgefallen. Evan ist so oder so glücklich. Es hängt nicht von meinem Geschenk ab. Natürlich freut er sich, über eine Aufmerksamkeit aber es definiert nicht sein Glück und meine Liebe zu ihm.

Wir wünschen Euch allen eine besinnliche und einigermaßen stressfreie Weihnachtszeit gefüllt mit vielen wunderschönen Momenten mit den liebsten Menschen. Herzlichst, Marcella und Evan

1 Kommentare

  1. Cornelia sagt

    Eine sehr schöne Geschichte, die auch zu uns passt. Unsere Tochter hat ein Down Syndrom plus Autismus. Sie kann sich nur mit wenigem beschäftigen. Puzzle hat sie schon genug, DVDs auch, sie schaut sowieso immer nur die gleichen an. Geschenke macht sie mit großem Interesse auf, wirft dann aber alles in hohem Bogen davon. Am besten sind also Anziehsachen geeignet. Ich fand aber -nichts! Sie hat keine einfache Figur. Und dann lese ich deinen Text. Ja, das ist es! Sie freut sich an Feiertagen über soviel anderes, die Musik, Kerzen, die sie ausblasen darf, ihre Geschwister, die auf Besuch kommen,…
    Nun habe ich noch eine hübsche Mütze, einen Schal und ein paar Schlafanzüge zum Auspacken gefunden und die Geschwister werden auch was mitbringen.

    Dir und deinen liebenswerten Kinder ein frohes Weihnachtsfest

    Cornelia

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