Allgemein, Anders und (un)sichtbar.
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Nicht genug behindert?

Ist es Glück, wenn man einem Menschen seine Behinderung nicht ansieht? Sind Behinderungen, die auf den ersten Blick nicht direkt zu sehen sind, gleich weniger schlimm?

Fragen und Gedanken, die ich mir in den letzten Tagen sehr häufig gestellt habe.

Anders und (un)sichtbar. Oft wird eine Behinderung mit der Größe der offensichtlichen Sichtbarkeit bemessen. Es gibt Menschen, die haben ein oder mehrere körperliche Erkennungszeichen oder Merkmale. Ihnen sieht man ihre Einschränkung(en) und/oder Behinderung an. Es gab Tage in meinem Leben, da habe ich mir ein solches Merkmal und Erkennungszeichen für Evan gewünscht. So wie eine Art “Aushängeschild” oder eine “förmliche Entschuldigung”. Nicht immer gleich verurteilt zu werden. Nicht immer in den Augen “Sie hat aber ein freches Kind” lesen zu müssen. Mittlerweile gehe ich offen mit der Behinderung meines Sohnes um. Ich bin sehr direkt und spreche Dinge offen an und aus. Aber es gibt immer noch die anderen Tage. Tage, an denen es mir schwer fällt. Tage, an denen mein Mutterherz, aufgrund der Blicke und den Reaktionen, schmerzt.

Mich hat die Resonanz meines Artikels “Das muss einfach (noch)mal gesagt werden“, in dem ich über die negativen Reaktionen im Alltag berichtet habe, sehr gefreut aber gleichzeitig auch sehr nachdenklich gemacht. Ich habe sehr viele Kommentare und Nachrichten erhalten, in denen mir Mütter und Väter, Omas und Opas, Freunde, Bekannte, Tanten und Onkels berichtet haben, dass es ihnen ähnlich ergeht. Einige von ihnen haben eine nicht direkt sichtbare Behinderung und andere haben Familienangehörige, die betroffen sind. Die Hintergründe, Umstände, Behinderungen sind alle sehr unterschiedlich aber sie haben eines Gemeinsam: sie sind unsichtbar. Auf dem ersten Blick nicht direkt sichtbar.

Eine nicht sichtbare Behinderung bedeutet nicht automatisch “nichtbehindert” zu sein. Oft werden die unsichtbaren Behinderungen nicht ernst genommen, da ihre gesundheitlichen Einschränkungen nicht offensichtlich sind. Demenz, Autismus, psychische Erkrankungen, Gehörlosigkeit, ADHS, Herzfehler, Organschäden, chronische Erkrankungen, Migräne, Lernbehinderungen, Diabetes und Multiple Sklerose sind nur einige wenige Beispiele.

Das Unsichtbare sichtbar machen. Ich habe meinen Blog vor einem Jahr ins Leben gerufen, um mich bewusst für mehr Akzeptanz und Offenheit einzusetzen. Ich bin mir im Klaren, dass ich durch diese Webseite keine Wunder vollbringen kann, aber nichtsdestotrotz möchte ich meinen Anteil dazu beitragen, das Unsichtbare sichtbarer zu machen. Intoleranz entsteht oft durch Unwissenheit. Häufig ist es die Unwissenheit und die Angst, die in unserem Alltag das eigentliche Problem darstellen. Vorurteile begleiten unseren Alltag. Evan und ich haben schon sehr viele negative Erfahrungen machen müssen, die durch Unwissenheit entstanden sind. Allerdings gibt es auch einige positive Beispiele. Aus manch anfänglich “schwierigen” Situationen, sind sehr ehrliche und offenen Gespräche entstanden. Ich habe den Eindruck erhalten, dass sich die Auffassung und die Sicht der Menschen im Laufe des Gespräches positiv verändert haben. Erweiterung des Wissens bedeutet gleichzeitig Abbau von Unwissen und Ängsten.

Meine Fragen und Gedanken der letzten Woche sind zu einer Idee geworden:

Anders und (un)sichtbar

Ich möchte eine neue Rubrik auf unserem Blog starten: anders und (un)sichtbar. Ich habe mir einen Fragebogen überlegt und würde diesen gerne betroffenen Menschen zusenden. Egal ob Angehörige, Freunde, Therapeuten, oder einfach nur interessierten Menschen.

Ich brauche Eure Hilfe & Unterstützung. Habt Ihr Lust über Eure unsichtbare Behinderung oder Eure Betroffenheit zu sprechen? Gerne könnt Ihr mir auch Eure eigene Geschichte – ohne Fragebogen – zusenden. Falls Ihr Interesse und/oder Fragen habt, sendet mir einfach eine E-Mail oder schreibt mir über Facebook. Egal ob mit Bild oder anonym, ich freue mich sehr über Eure Zuschriften und Euer Interesse.

Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn dies geschieht, entsteht Kontakt.
(Zitat: Virginia Satir, das größte Geschenk)

In diesem Sinne: Auf einen ehrlichen Kontakt. Dankeschön. 

 

42 Kommentare

  1. Annette sagt

    Gerne würde ich den Fragebogen als Mutter eines “unsichtbar behinderten Kindes” ausfüllen. Es stimmt, man muss vieles erklären, immer und immer wieder und doch wird es oft nicht verstanden.

    • m.wessel12@yahoo.de sagt

      Liebe Annette, das freut mich sehr. Magst Du mir Deine E-Mail Adresse über das Kontaktformular zusenden? Vielen Dank! Alles Liebe, Marcella

    • m.wessel12@yahoo.de sagt

      Hallo Birte, sehr gerne. Magst Du mir Deine E-Mail Adresse über das Kontaktformular zusenden? Danke, Marcella

    • m.wessel12@yahoo.de sagt

      Liebe Korinna, das freut mich sehr. Magst Du mir über das Kontakformular Deine E.Mail Adresse schicken? Ich bin noch dabei den Fragebogen zu optimieren, schicke ihn Dir aber spätestens am Wochenende zu. Liebe Grüße, Marcella

    • m.wessel12@yahoo.de sagt

      Liebe Korinna, ich habe Deine E-Mail Adresse ja schon ;o) Entschuldige bitte!

  2. Liebe Annette – ich habe Deine Seite auf meiner Rehaseite geteilt – weil es ein sehr wichtiges Thema ist, dass Du anschreibst. Jahrelang habe ich mit schwerst-autistischen Kindern gearbeitet und all das erspüren dürfen, von dem Du schreibst.

    https://www.facebook.com/kleinfeldt.reha/

    Bitte sag mir ob es in Ordnung ist, dass ich Deinen Artikel dort geteilt habe – oder ob ich ihn wieder entfernen soll. Und auch ob ich in Zukunft immer wieder von Dir etwas teilen darf.

    Herzliche Grüße – Martina Kleinfeldt

    • m.wessel12@yahoo.de sagt

      Liebe Martina! Vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine lieben Worte. Ich freue mich sehr, wenn Du meinen Beitrag teilst. Du darfst immer gerne alles teilen, was Du möchtest ;o) Das Thema ist so wichtig und ich hoffe, dass mehr Offenheit und Akzeptanz entstehen. Alles Liebe, Marcella

  3. Kati sagt

    Ich würde auch gerne den Fragebogen beantworten. Ich hab einen 15 Monate alten Sohn mit Dravet.. Wir stehen noch ziemlich am Anfang unserer Reise. Lg

    • m.wessel12@yahoo.de sagt

      Hallo Kati! Super, vielen Dank! Ich sende Dir den Fragebogen am Wochenende zu. Alles Liebe, Marcella

    • m.wessel12@yahoo.de sagt

      Sehr gerne Viola! Ich sende Dir den Fragebogen gerne am Wochenende zu! Liebe Grüße, Marcella

  4. Silke sagt

    Hallo! Ich bin Mama von zwei Frühkindlichen Autisten Jungs! Beide sind geistig behindert aber körperlich normal!Unser Alltag ist oft nicht leicht in der doch so “normalen” Gesellschaft! Ich hätte Interesse! 🙂 LG

    • m.wessel12@yahoo.de sagt

      Sehr gerne Silke! Dann bekommst Du auch Post am We! Liebe Grüße, Marcella

  5. Sonja Otto sagt

    Hallo Silke, meine Kleine hat neurolog. Dyspraxie. Nichts davon sieht man ihr an. Gern, bin ich bei Deinem Fragebogen dabei. Danke das Du dieses Thema endlich mal ansprichtst.
    LG

    • m.wessel12@yahoo.de sagt

      Liebe Sonja, das freut mich! Ich sende ihn Dir gerne am We zu. Herzliche Grüße Marcella

  6. Kati Hartleben sagt

    Mein Sohn hat auch eine Erkrankung die man ihm nicht ansieht würde gern den Fragebogen ausfüllen LG Kati

    • m.wessel12@yahoo.de sagt

      Hallo Kati, toll! Danke. Du bekommst am Wochenende Post. Liebe Grüße, Marcella

  7. Cres sagt

    Ja genauso habe ich es erlebt nur auf der anderen Seite.Meine Tochter hat Trisomie21 oder Down Syndrom und ich habe gelernt daß es ein Glück ist das man es ihr ansieht .Es wird zwar auch nach ihr geschaut aber den meisten Menschen sieht man dann an das sie denken ach so sie ist behindert. Ich wünsche Dir viel Kraft und ein dickes Fell an dem die dummen Bemerkungen abgleiten.

    • m.wessel12@yahoo.de sagt

      Liebe Cres, vielen Dank für Deine ehrlichen Worte. Ich finde Deine Beobachtungen sehr interessant, danke! Herzliche Grüße, Marcella

    • m.wessel12@yahoo.de sagt

      Liebe Gabi, gerne lasse ich Dir auch einen Fragebogen zukommen. Herzliche Grüße, Marcella

  8. Melanie Wendlinger sagt

    Hallo
    Ich hätte auch Interesse an einen Fragebogen. Habe einen Jugendlichen mit Autismus.
    Liebe Grüsse
    Melanie

    • m.wessel12@yahoo.de sagt

      Sehr gerne liebe Melanie! Du bekommst Post von uns ;o) Liebe Grüße, Marcella

  9. m.wessel12@yahoo.de sagt

    Liebe Katharina! Ich habe die E-Mail Adresse entfernt und Deinen Kommentar genehmigt. Ich hoffe, dass ist so in Ordnung für Dich. Sonst schreib mir einfach nochmal kurz. Gerne schicke ich Dir auch einen Fragebogen zu. Herzliche Grüße, Marcella

  10. Denise sagt

    Hallihallo!
    Ich bin Mutter eines fast 8 Jährigen mit einem seltenen Gendefekt.
    Gerne möchte ich deinen Fragebogen ausfüllen!
    Viele Grüße
    Denise Rose

    • m.wessel12@yahoo.de sagt

      Liebe Denise, darüber freue ich mich sehr! Ich schicke Dir den Fragebogen gerne zu. Liebe Grüße, Marcella

    • m.wessel12@yahoo.de sagt

      Hallo! Das ist gar kein Problem! Ich freue mich sehr. Ich schicke Dir den Fragebogen in den nächsten Tagen zu. Alles Liebe, Marcella

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