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Manchmal möchte ich nach Italien…

Manchmal wünsche ich mir in Italien zu sein. In Italien ist es warm und die Leute sind freundlich. Aber ich bin ich Holland. Ich habe mir Holland nicht ausgesucht. Eigentlich wollte ich nach Italien. Ich war auf Italien eingestellt und meine Sachen waren schon gepackt – Wer sich jetzt fragt, warum Italien oder Holland, bitte auf diesen Link klicken. 

Es sind manchmal kleine Momente, in denen mir bewusst wird, dass ich in Holland bin und lieber nach Italien möchte.  Zur Zeit ist in Bremen Freimarkt. Dort würde ich mit Evan gerne hingehen. Aber das funktioniert leider nicht. Was bei unsere letzten Freimarktbesuch passiert ist, behalte ich an dieser Stelle lieber für mich. So viel kann ich sagen, unser Besuch war sehr schnell zu Ende, nach genau 10 Minuten. Bald kommt die Zeit für Laterne laufen. Das habe ich mit Evan noch nie gemacht. Nikolauslaufen oder Kekse für die Weihnachtszeit backen, habe ich mit Evan noch nicht gemacht. Abends ein Buch vorlesen oder einfach mal einen Walt Disney Film zusammen schauen, das haben wir noch nicht gemacht. Und werden wir so schnell auch nicht machen können, vielleicht auch nie.

Diese Sachen hätte ich in Italien machen können. Ganz normale Sachen. Wenn andere Eltern mir beiläufig erzählen was sie mit ihren gesunden Kindern gemacht haben, merke ich wie das Gefühl von Eifersucht, Wut aber auch die Traurigkeit und Verzweiflung in mir aufkommt. Wenn Eltern mit gesunden Kindern mich fragen, ob ich mit ihnen zum Eisessen kommen möchte oder ob wir gemeinsam den Weihnachtsmarkt besuchen wollen, sage ich ganz nett: Nein, danke. Vielleicht beim nächsten Mal. Was ich wirklich denke: Vielleicht in einem anderem Leben!

Ständig zu organisieren und permanent parat zu stehen, hinterlässt seine Spuren. Wenn dazu noch ein paar schlaflose Nächte folgen, dann kann ich zu einem richtigen Ungeheuer werden. Manchmal brülle ich nachts lauter als Evan und muss kurz den Raum verlassen, damit ich wieder in einer normalen Lautstärke kommunizieren kann. Man jongliert die ständigen Therapietermiene, Arztbesuche und Kingergartengespräche. Wenn dann noch eine meiner Damen, die mich so toll unterstützen absagen – die ja durchaus auch noch ein eigenes Leben haben, was ich manchmal gerne vergesse – dann ist das Chaos komplett und ich bin wieder in meinem Organisationsdschungel. In solchen Momenten könnte ich laut rufen: Italien, ich will jetzt – sofort – nach Italien!

Irgendwann habe ich mir die Frage gestellt, warum fahre ich nicht einfach nach Italien, nur ganz kurz? Aus diesem Gedanken wurde – über einen längeren Zeitraum – eine Handlung. Das war ein Prozess, der mir einiges an Gefühlen -von denen ich vorher gar nichts wußte – abverlangt hat.

Mittlerweile fahre ich nach Italien. Entweder mit meinem ziemlichen besten Freund, den Kindern meiner Freundin oder manchmal auch einfach alleine. Ich erlaube mir den Wunsch nach Italien zu haben und ich erlaube mir auch die Dinge zu bedauern und zu betrauern, die ich in Holland – mit einem behinderten Kind – nicht machen kann. Ich habe gelernt, dass es in Ordnung – ja, sogar sehr wichtig ist – den Wunsch nach Italien äußern zu dürfen. Früher habe ich mich schuldig gefühlt aber mittlerweile weiß ich, dass das Eine nicht ohne das Andere geht.

Wissen Sie was passiert, wenn man lange in einem Land ist? Man fängt an sein Heimatland zu vermissen, Holland. Wenn ich für einige Zeit oder besser gesagt, einige Momente in Italien erlebt habe, freue ich mich wieder auf Holland. Ich fange an das Besondere, Wundervolle und Einzigartige an Holland wieder zu erkennen. Ich freue mich auf das kältere Klima oder die schönen Blumen und Windräder.

Ich gehöre zu Holland, genau das Gefühl verspüre ich dann. Holland mag kälter und etwas düsterer sein als Italien. Aber Evan und all die anderen besonderen Menschen, die ich in Holland schon kennenlernen durfte, sorgen für den fehlenden Sonnenschein. Und was passiert, wenn jemand Sonnenschein in ein Leben bringt? Man kann nicht verhindern selbst angestrahlt zu werden!

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